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Ein Megger am NATO-Hauptquartier: Maximilian Arnold im Interview

5. April 2026 – Maximilian Arnold ist Vorstandsmitglied von Die Mitte Meggen und der Jungen Mitte Kanton Luzern sowie gewähltes Mitglied des Urnenbüros der Gemeinde Meggen. Er verfügt über einen Bachelor in Internationalen Beziehungen von der Universität St. Gallen (HSG) und absolvierte von März 2025 bis Februar 2026 ein Hochschulpraktikum auf der Ständigen Mission der Schweiz bei der NATO in Brüssel.

Maximilian, du bist in der Region Luzern fest verwurzelt. Was hat dich nach Brüssel geführt?

Während meines Studiums hat sich bei mir ein Interesse für Sicherheitspolitik entwickelt. In Verbindung mit meiner Absicht, einige Zeit im Ausland zu verbringen, bin ich dann auf das Hochschulpraktikum bei der Schweizer Mission bei der NATO gestossen. Hier durfte ich zwei Welten entdecken. Einerseits ist Brüssel eine Stadt der Genüsse mit feinen Frites, hervorragenden Waffeln und einer einzigartigen Bierkultur. Andererseits durfte ich ein Jahr lang die multilaterale Militärdiplomatie aus nächster Nähe kennenlernen. Und das in einer Zeit, die sicherheitspolitisch sehr «dynamisch» ist. Es war ausgesprochen spannend, hautnah mitzuerleben, welche Rolle die neutrale Schweiz in diesem Umfeld spielt.

Und welche Rolle spielt denn die Schweiz in diesem Umfeld?

(lacht) Eine spezielle! Kurz nach Beginn meines Praktikums kam ich bei einem Feierabendbier mit einem amerikanischen Praktikanten ins Gespräch. Als er hörte, dass ich aus der Schweiz komme, reagierte er sehr überrascht und fragte mich: «You’re Swiss? What are you doing here?!» Dieser Reaktion bin ich seither mehrfach begegnet – vor allem bei Personen innerhalb der Allianz, die nicht regelmässig mit neutralen Partnerstaaten wie Irland, Österreich oder der Schweiz zu tun haben. Wir sind zwar neutral und kein Mitglied der NATO, arbeiten aber seit 1996 im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden mit der NATO zusammen. Diese Plattform ermöglicht sicherheitspolitische Kooperation auf freiwilliger Basis – etwa in Form des Engagements der Schweiz bei der von der NATO geführten Friedensförderungsmission KFOR im Kosovo, an der wir uns seit 1999 mit der Armee beteiligen. Damit leisten wir einen Beitrag zur Stabilität und Sicherheit in Europa.

Die Sicherheitslage in Europa wird aktuell als extrem kritisch eingestuft. Wie nimmst du das in deiner Arbeit in Brüssel wahr?

Sehr deutlich. 2019 sprach der französische Präsident Emmanuel Macron noch vom «Hirntod» der NATO. Die Organisation, die ich erleben durfte, ist vieles, aber sicher nicht hirntot. Spätestens seit dem 24. Februar 2022 ist die NATO wieder klar in ihrem Kerngeschäft angekommen: Abschreckung und Verteidigung. Die von Russland ausgehende Bedrohung wird in Brüssel sehr ernst genommen. Dabei geht es nicht nur um konventionelle militärische Risiken, sondern auch um hybride Bedrohungen: Cyberangriffe, Desinformation, Spionage oder Sabotage. In vielen Gesprächen wurde deutlich, dass dieser Zustand von vielen nicht mehr wirklich als Friedenszustand wahrgenommen wird.

Gleichzeitig sehen wir einen Wandel im transatlantischen Verhältnis. Die Vertreter der Trump-Administration finden klare Worte: Europa muss in Zukunft die Verantwortung für seine konventionelle Verteidigung selbst übernehmen. Vor diesem Hintergrund erhöhen die europäischen NATO-Alliierten ihre Verteidigungsausgaben massiv. Mir wurde in Brüssel klar: Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Und das betrifft auch die Schweiz. Aufgrund unserer geografischen Lage und unserer kritischen Infrastrukturen sind wir Teil der europäischen Sicherheitsarchitektur. Ob wir wollen oder nicht. Deshalb ist es entscheidend, dass wir unsere Verteidigungsfähigkeit stärken, in die Luftabwehr, die Cyberabwehr und den Schutz unserer kritischen Infrastrukturen investieren und die internationale Zusammenarbeit mit unseren Partnern intensivieren. Insbesondere mit der NATO. Wenn die Schweiz in diesem sicherheitspolitischen Umfeld isoliert bleibt, riskieren wir nicht nur die Sicherheit unserer Bevölkerung, sondern auch unsere Souveränität.

Das bringt uns zur Parteipolitik. Die Mitte hat sich hier sehr klar positioniert. Was sind die Prioritäten?

Für Die Mitte ist klar: Wer Freiheit will, muss Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen. Unsere Partei unterstützt konsequent die Ausrüstung und Modernisierung unserer Armee. Ein zentraler Punkt ist aktuell die Finanzierung. Während andere Parteien oft nur fordern, schlägt Die Mitte mit der Unterstützung einer befristeten Mehrwertsteuer-Erhöhung einen realistischen, transparenten und schnellen Weg vor. Wir wollen keine Schulden auf Kosten der nächsten Generation machen, um die heutige Sicherheit zu finanzieren. Das ist gelebte Verantwortung der Mitte-Politik.

Zum Vergleich: Am NATO-Gipfel im Juni 2025 in Den Haag haben die Alliierten angesichts der Bedrohungen für ihre Sicherheit beschlossen, ihre Verteidigungsausgaben bis 2035 auf 5% des BIP zu erhöhen. Wir haben Mühe, bis 2032 1% des BIP für unsere Armee auszugeben. Dieser Kontrast und der zugrunde liegende Unterschied in der Bedrohungswahrnehmung zwischen Bern und Brüssel stimmt mich nachdenklich.

Im Juni letzten Jahres war Bundesrat Martin Pfister zu Besuch in Brüssel. Was war dein Eindruck von diesem Besuch?

Das war für mich persönlich ein Highlight. Einen Zentralschweizer Mitte-Bundesrat in Brüssel zu treffen, ist beinahe historisch. Inzwischen hat Bundesrat Pfister mehrfach betont, dass auch die Schweiz ihre sicherheitspolitischen Anstrengungen verstärken muss. Dazu gehört auch eine engere internationale Zusammenarbeit. Diese Einschätzung deckt sich stark mit meinen eigenen Eindrücken aus Brüssel.

Was nimmst du aus der «europäischen Hauptstadt» Brüssel mit zurück nach Meggen?

Die Erkenntnis, dass aufgrund unseres Milizsystems und unseres Föderalismus die Sicherheit in der Gemeinde beginnt. Wenn wir uns im Kleinen nicht mehr für unsere Werte, unsere Resilienz und unsere Sicherheit einsetzen, bricht das grosse Ganze irgendwann zusammen. Ich kehre mit einer grossen Wertschätzung für die Einzigartigkeit des Schweizer Systems zurück, aber auch mit der Erkenntnis, dass sich ein Grossteil unseres Landes aktuell in einem sicherheitspolitischen Dornröschenschlaf befindet. Gerade deshalb ist es entscheidend, dass wir uns auf allen Ebenen wieder stärker mit diesen Fragen auseinandersetzen. Denn langfristig hängt die Stabilität unseres Landes davon ab, wie ernst wir unsere eigene Sicherheit nehmen.

Danke für das Interview und dein Engagement für
unsere Sicherheit!

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